Verlust von Lebensqualität durch Stadtplanung für maximalen Profit

Veröffentlicht: 10. März 2011 in AG-Mieten
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Im Folgenden möchte ich anhand eines konkreten Beispiels aufzeigen, wie in Hamburg die Lebensqualität durch Profitmaximierung abgebaut wird und welche Rolle eine misslungene Stadtplanung dabei spielt.
Bis zum Frühjahr 2010 existierte in der Max-Brauer-Allee 179 ein EGN-Baumarkt. Diesen Baumarkt gab es an der Stelle schon seit einigen Jahrzehnten.
Für die Bewohner im Einzugsbereich, Sternschanze, Altona-Nord, war er eine bequeme Möglichkeit, Dinge des täglichen Bedarfs zu bekommen, ohne auf ein Auto angewiesen zu sein. Man konnte den Einkauf zu Fuß nach Hause transportieren oder sich vor Ort einen Rollwagen für den Transport ausleihen.
Darüber hinaus hatte der Baumarkt ein sehr großes Angebot, das mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der Kunden aus der Umgebung gewachsen war. Das bedeutete, dass man nicht in zwei bis drei verschiedene, weit auseinander liegende, Geschäfte gehen musste.
Auf dem Gelände unmittelbar neben der S-Bahn- und Fernbahnstrecke wurden, nachdem die alten Gebäude niedergerissen waren, 56 Eigentumswohnungen gebaut. Ein lukratives Geschäft für den Grundbesitzer und die Bauherren.
Tafel Holstenhöfe
Für die ehemalige Kundschaft des Baumarktes gibt es leider keinen adäquaten Ersatz. Der nächste Max-Bahr-Baumarkt in der Jessenstraße 11 hat ein wesentlich kleineres Angebot und nur ein rudimentäres Angebot an Holz und Holzzuschnitten. Außerdem sind die meisten Dinge teurer, sicher auch deswegen, weil ja keine Konkurrenz mehr vorhanden ist.
Mit den Betreibern und dem Personal des Baumarktes hatte ich vor der Schließung gesprochen. Sie bestätigten, dass sie wegen der zu hohen Miete aufhören wollten, die der Vermieter nun forderte. Es sei unrealistisch, eine Miete in dieser Höhe durch den Warenverkauf erwirtschaften zu können.
Die Arbeitsplätze der Angestellten fielen natürlich weg.
Sicher kann man argumentieren, dass hier, gleich neben dem Bahndamm, dringend benötigter Wohnraum entsteht. Nicht umsonst wurde dort früher bevorzugt Gewerbe angesiedelt, denn wer möchte schon dauerhaft den Krach und ständig geschlossene Fenster haben.
S-Bahn nah
Ich sehe jedoch in diesem Vorgang ein Beispiel völlig misslungener Stadtplanung. Denn was wird hier forciert?
Die Menschen können ihren täglichen Bedarf nicht mehr vor Ort decken. Also sind sie auf ein Fahrzeug angewiesen.
Das bedeutet, dass für die Zukunft die Weichen in eine noch stärkere Belastung der Stadt durch den Individualverkehr gestellt werden. Auch der Zeitfaktor spielt eine Rolle. Wer nun etwas aus dem Baumarkt braucht, muss längere Wege und mehr Zeit einplanen. Es wird also auch über den Umgang der Menschen mit ihrer Zeit bestimmt.
Als Alternative kann man sich die Waren auch gegen Bezahlung anliefern lassen. Damit muss ich eine Dienstleistung in Anspruch nehmen, die ich gar nicht in Anspruch nehmen möchte, die unnötig wäre und die sich viele nicht einmal leisten können. Zudem ist es eine zusätzliche Verkehrs- und Umweltbelastung
Das ist nur ein Beispiel von vielen. Und es ist nicht hin zu nehmen. Die Stadtplaner wären hier gefordert, wieder ein engeres Netz von kleinen und mittleren Läden vorzusehen, die es den Menschen ermöglichen, weiterhin günstig und Wohnortnah einzukaufen. Das hat es ja auch einmal gegeben.
Die Stadtplanung in Hamburg hat aber offensichtlich andere Maßgrößen, an denen sie sich orientiert.

  1. Ungezügelter Profit für Spekulanten und Immobilienbesitzer geht vor (Deswegen gibt man deren Wünschen schnell nach).
  2. Jeder braucht ein Auto.
  3. Nur wer das Geld für Mobilität hat, kann konsumieren.
  4. Die Armen sollen verschwinden.

Mitten in Altona entsteht ein riesiges IKEA-Möbelhaus, wo auch Wohnungen sein könnten, da es hier viel sinnvoller ist zu wohnen, als in diesem Umfang zu arbeiten/shoppen.
Wer hat sich das ausgedacht? Warum zerstört man kleinere, sinnvolle Nischenlösungen an Orten, an denen unter normalen Umständen kaum jemand wohnen will?
Soll das Signal heißen, macht nichts mehr selbst, kauft es fertig bei IKEA. Hier wirkt sich Stadtplanung umsatzsteigernd für IKEA aus, ein Unternehmen, das seine Angestellten schlecht entlohnt, mobbt und in Deutschland keine Steuern zahlt.
Wozu dieses großzügige Geschenk auf Kosten der Bürger, an einen Konzern, der einem der reichsten Männer der Welt gehört?

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