Zahl der Sozialwohnungen in Hamburg sinkt weiter, trotz steigenden Bedarfs

Veröffentlicht: 30. Mai 2012 in Presse, Propaganda, SAGA GWG
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Frau Blankau hat vorgestern in einer Pressekonferenz für das Wohnungsbauprogramm des Hamburger Senats geworben. Die Mopo und das Abendblatt berichteten.

Der Senat feiert sich selbst, weil jedes Jahr 2000 neue Sozialwohnungen gebaut werden sollen.
Auf den ersten Blick klingt dies wie eine gute Nachricht. Bei genauerem Hinschauen jedoch folgt sofort die Ernüchterung.
In jedem Jahr fallen in Hamburg ca. 3000 Wohnungen aus der Sozialbindung. Wenn 2000 neue gebaut werden, nimmt die Gesamtzahl immer noch um 1000 Wohnungen/Jahr ab.
1993 gab es noch 211.243 Sozialwohnungen, zehn Jahre später waren es 142.790 und heute liegt die Zahl bei unter 100.000. Das bedeutet, dass zwischen 1993 und 2008 51% der Sozialwohnungen weggefallen sind.

Besonders dramatisch ist dies angesichts eines steigenden Bedarfs an sozial gebundenen Wohnungen.
Zur Zeit würde 42% (412.860) aller Hamburger Haushalte (Hamburg hat 983.000 Haushalte) eine Wohnung über den ersten Förderungsweg zustehen. Gar 68% (668.440) hätten ein Anrecht auf eine Wohnung nach dem ersten oder zweiten Förderungsweg.
Die große Anzahl der bedürftigen/berechtigten Haushalte ergibt sich aus den stark gesunkenen Realeinkommen in den letzten zehn Jahren, vor allem bei den unteren und mittleren Einkommensgruppen. Viele Menschen arbeiten mittlerweile in Niedriglohnarbeitsverhältnissen und auch über das Wohnen hinaus sind die Lebenshaltungskosten stark gestiegen.

Wie die Rechnung zeigt, bekommen schon heute viele Hauhalte keine günstige, das heißt für sie bezahlbare Wohnung, obwohl ihnen eine solche zustünde. Und die Schere öffnete sich weiter, trotz 2000 neuer Sozialwohnungen im Jahr.
Ohne die SAGA/GWG und die Genossenschaften, wäre der Hamburger Wohnungsmarkt schon längst zusammen gebrochen, obwohl ja auch die SAGA/GWG ihre Mieten in den letzten zehn Jahren weit überdurchschnittlich erhöht hat. Trotzdem gibt es hier, im Gegensatz zu viel privaten Vermietern noch Wohnungen um 6€/m² auch wenn deren Zahl stetig abnimmt.

Dann wäre schon früher eingetreten, was in den nächsten Jahren große Ausmaße annehmen wird. Menschen mit geringen Einkommen müssen entweder die Stadt verlassen oder in Randgebiete ziehen. Um zur Arbeit zu kommen müssen sie lange Anfahrtswege in Kauf nehmen und belasten die Umwelt und ihren eh schon schmalen Geldbeutel.
Damit sie Firmen bewachen, Büros und Privatwohnungen putzen, bei Bäckereiketten oder im Lebensmittelladen bedienen und sonstige Dienstleistungen, auch und vor allem für die Reichen dieser Stadt leisten.

Gerecht ist das alles nicht. Für das Eigenlob des Senats sehen wir noch keinen Anlass. In der Schule wäre das ein „Ungenügend“!

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