St. Georger_innen erteilen den Investoren eine Absage, mehr als 500 Menschen demonstrieren gegen den Mietenwahnsinn

Veröffentlicht: 7. Juni 2012 in Demo, Presse
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Update: Hier könnt ihr euch die Sendung „Hamburger Presserunde“ auf HH1 ansehen. Thema ist „Langeweile an der Langen Reihe – verliert unsere Stadt ihr Gesicht?”
Gäste im Studio:
Peggy Parnass, Autorin
Michael Joho, Vors. Einwohnerverein
Thomas Hirschbiegel, Hamburger Morgenpost
Oliver Schirg, Hamburger Abendblatt

Trotz Dauerregens fanden sich am gestrigen Abend mehr als 500 Menschen vor der Buchhandlung Wohlers in der Langen Reihe in St. Georg ein und erteilten den Investoren, allen voran F. Jendrusch und Partner, eine Absage.
Sie wollen nicht mehr hinnehmen, dass ihr lebendiger Stadtteil durch die Gier der Investoren nach und nach zerstört wird und sein Gesicht sowie seine Lebensqualität verliert.
Die Buchhandlung Wohlers ist von einer Mieterhöhung von mehr als 200% betroffen. Die Miete für den Laden soll von 1400 Euro auf 4100 Euro steigen. Dies würde das Aus für die alteingesessene und beliebte Buchhandlung zum Ende diesen Jahres bedeuten.

Wohlers ist nur ein weiteres Opfer eines symptomatischen Prozesses und kein Einzelfall. Schon das stadtweit bekannte Kräuterhaus Meyer muß zum Ende des Jahres sein angestammtes Ladenlokal räumen, weil die neue Miete nicht mehr tragbar ist. Der Spielzeugladen Schellhaß muß aus dem gleichem Grund aufgeben.
Nachrücken werden wohl die Kettenläden internationaler Konzerne, die wir in allen Städten der Welt genau so finden können. Das Typische für den Stadtteil und das Typische für Hamburg geht verloren. Der Stadtteil wird unattraktiv, langfristig natürlich auch für Zuziehende und damit auch für die Investoren, aber so weit denken diese nicht. Der kurzfristige Profit zählt, ob damit verbrannte Erde hinterlassen wird oder nicht ist ihnen egal, weil sie für die Folgeschäden nicht aufkommen müssen, denn die Sozialverpflichtung des Eigentums (GG der Bundesrepublik Deutschland Art. 14 Abs. 2) kennen sie nicht und leider gibt es auch keine verantwortliche Politik, die sie daran gemahnen oder gar dazu zwingen würde.

Art 14  Grundgesetz

(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

Um diese unsinnige Vernichtung bestehender und bewährter Strukturen zu unterbinden, hat sich nun auch in St. Georg ein breites Bündnis zusammen geschlossen. Einwohnervereine, Ver.di, die Kirche, Heike Sudmann (DIE LINKE) und Gruppen aus dem „Recht auf Stadt“ Netzwerk meldeten sich ebenso zu Wort, wie bekannte Persönlichkeiten aus dem Kulturleben und Bewohner_innen des Viertels.

Ver.di-Chef Wolfgang Rose, zugleich SPD-Bürgerschaftsabgeordneter, kritisierte die Entwicklung St. Georgs zum Spekulationsobjekt und sprach sich für eine bundesgesetzliche Regelung zur Deckelung von Kleingewerbemieten aus um inhabergeführte Geschäfte besser zu schützen.

Frank Jendrusch und Partner indes verweigern jedwede Stellungnahme gegenüber den Bürger_innen und den Medien.
Dabei ist er kein Unbekannter. Vor 25 Jahren wurde Jendrusch vom LG Hamburg verurteilt, weil er stark überhöhte Mieten forderte. Sein damaliger Partner Frank-Michael Wiegand, der zu dem Zeitpunkt Vorsitzender der FDP-Bürgerschaftsfraktion war, war daran beteilligt. Die Firma Jendrusch&Partner war auch FDP-Parteifreund und Scientology-Mitglied Götz Brase beim Erwerb von Wohnhäusern und Grundstücken behilflich.[1][2]

Weitere Berichte:
Mietenwahnsinn stoppen 7.6.2012
Mopo 7.6.2012
Hamburger Abendblatt 7.6.2012

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