Mit ‘Mieten’ getaggte Beiträge

Das Hamburger Abendblatt machte heute Werbung für die Immobilienbranche. Unter dem Titel „BUNDESVERGLEICHIn 14 Städten sind Mieten noch höher als in Hamburg“ durfte die „F+B Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt GmbH“ eine von ihr gemachte Untersuchung vorstellen. Das Unternehmen arbeitet für die Immobilienwirtschaft, Banken und Versicherungen.

Viele nachdenkliche Menschen wissen, dass Zahlen und Daten fast alles gestehen, wenn sie nur lange genug gefoltert werden.

Wie die Daten gewonnen wurden geht leider aus dem Beitrag nicht hervor.

Auf der eigenen Webseite schränkt das Unternehmen die Aussage aus dem Abendblatt schon ein „Teuerste Metropolen: München, Stuttgart, Köln, Frankfurt und Hamburg„. Hamburg liegt bei den deutschen Großstädten, nach der Untersuchungsmethode von F+B  also an fünfter Stelle.

Beim Betrachten der Tabelle fällt auf, dass alle Mittelstädte, die vor Hamburg liegen, zu den Metropolregionen von München, Stuttgart und Frankfurt gehören.

Wozu soll so ein Artikel (eine Werbung) dienen? Was hilft es jemandem, der in Hamburg seine gestiegene Miete kaum, oder nicht mehr, bezahlen kann, dass er oder sie, sie in anderen Städten noch weniger bezahlen könnte? Hier wird versucht von der immensen, sich stetig vertiefenden Kluft zwischen steigenden Mieten und sinkenden Einkommen abzulenken und eine soziale Schieflage mit billiger Propaganda zu verdecken. „Stellt euch nicht so an, anderen geht es noch schlechter“.

Solche versteckten Appelle sind unmenschlich, rückwärtsgewandt und nicht lösungsorientiert. Zumindest für die Menschen die fast nichts besitzen ausser ihrer Arbeitskraft. Aber für Millionen von Einzelschicksalen ist in den Statistiken der Reichen kein Platz.

Diese Mitteilung ist im Hamburger Abendblatt vom 19.7.2013 sowie im Geschäftsbericht der SAGA-GWG von 2012 nachzulesen.

Wir haben einige Kennzahlen der Geschäftsberichte (UPDATE 08.07.2014: Der Link ist leider mittlerweile tot die Geschäftsberichte der SAGA/GWG finden sich nun hier. Das Archiv reicht nur noch zurück bis 2009. Warum eigentlich, liebe SAGA? Transparenz sieht anders aus!) der Jahre 2007 bis 2012 einmal in einer Tabelle zusammen gefasst und ein kleines aber aussagekräftiges Schaubild daraus gewonnen.

Daten aus SAGA GWG Geschäftsberichten auf einen Blick (2007 bis 2012)
Jahr Anzahl Wohneinheiten Gewinn (EAT) in TSD. € Durchschnittlicher Gewinn
Pro Wohneinheit in Cent
Durchschnittlicher Gewinn
Pro Wohneinheit in €/Jahr
2007 130852 86200 65876 658,76
2008 130474 106500 81625 816,25
2009 130297 127400 97777 977,77
2010 129958 133800 102956 1029,56
2011 129873 148600 114419 1144,19
2012 129385 175700 135796 1357,96

EAT steht hier für Earnings after Taxes (Gewinn nach Steuern)

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Gewinn pro Wohneinheit hat sich in 5 Jahren verdoppelt

von 658,76 € pro Wohneinheit in 2007 stieg der Gewinn auf 1357,96 € pro Wohneinheit in 2012. Die Mieter_innen, die die SAGA_GWG seit einiger Zeit „Kunden“ nennt, finanzieren also nicht mehr nur die Instandhaltung, die Einkommen der Angestellten im Unternehmen, die Neubauten der SAGA-GWG, sondern auch diesen Betrag, der ganz in den Hamburger Haushalt einfließt. Davon können dann die aufgehäuften Schulden finanziert werden, die durch „Projekte für Wenige“, wie die Elbphilharmonie entstehen.

Die SAGA ist nicht so sozial, wie sie es von sich behauptet

Das Abendblatt zitiert Willi Hoppenstedt, einen der Geschäftsführer: „Die Durchschnittsmiete pro Quadratmeter habe sich bei der Saga im vergangenen Jahr auf 5,82 Euro belaufen, sagte Hoppenstedt.“ „Sie liegt damit sowohl unterhalb der Eingangsmiete für den öffentlich geförderten Wohnungsbau von 5,90 Euro als auch deutlich unter dem durchschnittlichen Mittelwert des Hamburger Mietenspiegels von 2011 mit 7,15 Euro.“

Was sich sehr sozial anhört, ist es nicht. Erstens ist der Wohnungsbestand der SAGA-GWG älter und bescheidener ausgestattet, als neu errichtete, öffentlich geförderte Wohnungen. Der Vergleich mit dem Durchschnittswert des Hamburger Mietenspiegels ist auch unzulässig, weil die SAGA-GWG viele Wohnungen in Stadtteilen besitzt, in denen das Preisniveau unter dem Mietenspiegeldurchschnitt liegt, wie z.B. in Jenfeld oder Osdorf. Zweitens wohnen bei dem Unternehmen vor allem Menschen mit geringen Einkommen und das werden immer mehr. Nicht mehr nur Hartz IV – Bezieher_innen gehören dazu, sondern auch Studenten, Rentner_innen, Menschen mit Berufsausbildung, die aber in befristeten und schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen stehen. Wie sich deren Einkommenssituation entwickelt hat, weiß jeder selbst.

Die SAGA-GWG erhöht ihre Mieten regelmäßig kurz nach dem Erscheinen des neuen Mietrenspiegels. Sie verhält sich gewinnorientiert und selten sozial orientiert.

Der Druck kommt vom Senat

Die SAGA-GWG handelt nach den Vorgaben des jeweiligen Senats. Im Zuge der großen Privatisierungen öffentlichen Eigentums in Hamburg durch SPD/CDU/FDP/SCHILL (hauptverantwortlich: Wolfgang Peiner CDU), wurden wiederholt Forderungen laut (Besonders aus der FDP), die SAGA-GWG an Investoren zu verkaufen. Das konnte verhindert werden, unter der Bedingung, dass das Unternehmen jährlich genügend Gewinne macht. Ein Damoklesschwert, das bis heute über dem Unternehmen hängt.

Diesen Politikern hat es nicht genügt, dass die SAGA-GWG, respektive ihre Mieter_innen, auch ohne große, zusätzliche Gewinne wichtige Aufgaben erfüllt/erfüllen. Als Arbeitsplatz für viele Menschen, als Auftraggeber für viele Handwerksbetriebe und als soziale Dämpfung für Menschen mit geringeren Einkommen. Bei einer rein gewinnorientierten Politik, werden diese wichtigen Faktoren ausser acht gelassen.

Wir fordern seit langer Zeit eine andere Politik. Es muss genügen, wenn die SAGA-GWG sich selbst finanziert. Sie leistet so schon genügend wichtige Beiträge zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zum sozialen Ausgleich und damit auch zum sozialen Frieden. Wenn diese Vorteile durch die Forderung nach hohen Gewinnen ausgehöhlt werden, haben nur wenige etwas davon. Wenn dadurch Mieten weiter steigen und Arbeitsplätze abgebaut werden, kostet das die Stadt am Ende mehr, als sie durch die kurzfristigen Gewinne jemals einnehmen kann. Von den Menschen, die bei der SAGA wohnen ganz zu schweigen, für die geht es zum Teil schon jetzt ums Überleben.

Sorry für die Irritation in der letzten Woche. Der Aktionstag findet erst in dieser Woche statt.

Am Mittwoch den 27.10.2012 findet der Aktionstag „Suchst du noch oder wohnst du schon“ statt. Treffpunkt 14 Uhr Campus Uni Hamburg (vorm Audimax).
Schlaflos in Hamburg Bild

Nach über zehn Jahren ist die Botschaft endlich auch bei der Bundesregierung angekommen. Merkwürdig eigentlich, mit dem ICE sind es von z.b. Hamburg nach Berlin nur 2 Stunden. Telefon, Email oder Fax sind gar noch schneller.

Das darf man/frau sich garnicht überlegen, wie da die Informationen laufen…

Aber auch dass die Zahl der Sozialwohnungen drastisch gesunken ist, hat die Bundesregierung mittlerweile bemwerkt.

Was machen die eigentlich Wesentliches?

Die Mieter_innen der „Mietergemeinschaft Kottbusser Tor“ in Berlin sind es leid von politischer Seite keinerlei Hilfe gegen die immer weiter steigenden und sie verdrängenden Mieten zu bekommen und machen deswegen ein Protestcamp. SIe haben ihr Straßenfest kurzerhand zeitlich und räumlich ausgedehnt.

Hier ist die Presserklärung zum Camp auf deutsch und türkisch.

Ein gutes Beispiel, dass in Hamburg und anderen Städten Schule machen könnte auch hier steigen die Mieten drastisch.
Die Politik stellt sich aber hauptsächlich schützend vor die Investoren, damit diese gesichert ihre Profite einfahren können. Die Interessen der Mieter_innen, aus den unteren und mittleren Einkommensschichten bleiben dabei auf der Strecke. Die können langfristig sehen wo sie bleiben.
Vielleicht werden ihnen aber auch Umsiedlungen in 150 km und mehr entferte Gebiete angeboten, wie es in London schon üblich ist.
Der menschenleere Ostteil Deutschlands würde sich z.B. gut dafür eignen. Damit würde endlich deutlich, dass „die Mauer“ 1989 lediglich in ihrer physischen Form verschwunden ist.
Wir hätten dann wieder zwei Wirtschaftszonen. Zwar nicht wie gehabt eine kapitalistische und eine sozialistische, sondern zwei kapitalistische. Im Westen die Besitzenden. Im Osten die Menschen ohne Besitz.

Handelskammer baut billig

Veröffentlicht: 18. Januar 2012 in AG-Mieten, SAGA GWG
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Wie sinnvoll unsere, seit langer Zeit gestellte Forderung, städtische Grundstücke nur noch in Erbpacht zu vergeben, weil sich dadurch die Baupreise veringern und die Bodenspekulation eindämmen lässt, beweist jetzt die Hamburger Handelskammer.

Für ein Grundstück mit einem Bodenwert von 3,3 Millonen Euro, zahlt die Handelskammer für die 75-Jahre-Pacht nur 93.000 Euro an die Stadt. Wenn das kein Schnäppchen ist.

Wir gratulieren der Handelskammer und Wirtschaftssenator Frank Horch ganz herzlich zu diesem gelungenen Deal. Wir hoffen, dass diese Praxis in Zukunft auch bei der Errichtung von Wohnungen im unteren Mietpreissegment Schule macht. Besonders schön: die Wege vom neuen Gebäude ins Rathaus sind sehr kurz. So können die Handelskammer-Lobbyisten dem Bürgermeister auf  kürzestem Wege ihre Wünsche unterbreiten oder gemeinsam mit Politiker_innen zu Mittag speisen.

Die SAGA/GWG und die Genossenschaften könnten so wesentlich billiger bauen und vermieten. Die Hamburgerinnen und Hamburger mit mittleren und geringen Einkommen werden dies sicher mit uns gemeinsam begrüßen.

Die CDU gemeinsam mit Schill und FDP (Grüne) hat in ihrer Regierungszeit konsequent die Investoren bedient. Diese konnten sich an dem menschlichen Grundbedürfnis auf eine Wohnung hemmungslos bereichern. Kein Investor investiert in Wohnungen oder Grundstücke ohne sich eine hohe Rendite zu versprechen.
Die Folge davon sehen wir heute. Die Mietsteigerungen der letzten Jahre liegen weit über den Steigerungen bei den Einkommen. Diese sind sogar gesunken, wenn man die unteren und mittleren Einkommen betrachtet. Zu wenig bezahlbare Wohnungen. Eine wachsende Zahl von Eigentumswohnungen, manche besitzen auch mehrere davon. 1,4 Millionen m² Leerstand bei den Büro- und Gewerbeimmobilien mit steigender Tendenz.
Viele Menschen mit geringen und mittleren Einkommen mußten in den vergangenen Jahren ihre Stadtteile verlassen weil sie die stark gestiegenen Mieten nicht mehr tragen können. Ein Verlust von sozialer Bezogenheit auf das angestammte Wohnumfeld ist die Folge. Die langfristigen vor allem gesundheitlichen Kosten dieser unfreiwilligen Veränderungen hat bisher noch niemand ermittelt, doch sie dürften erheblich sein.

Pünktlich vor Wahl im Februar hat die Senatorin Gundelach (CDU) nun einen Propagandatext heraus gegeben, der die Zielrichtung dieser Partei für die Wähler verschleiert.
Es werden wieder einmal beschämende Zahlen als Erfolge verkauft. In Wirklichkeit wären 8000 Wohnungsneubauten, hauptsächlich mit Sozialbindung, im Jahr notwendig.

25. Januar 2011/bsu25
Wohnungsbauentwicklungsplan zeigt Wirkung
Zahl der geförderten Sozialwohnungsbauten steigt auf über 1500
Programme und Maßnahmen zur Wohnraumförderung wurden 2009 im Wohnungsbauentwicklungs-plan festgelegt. Die Instrumente der Wohnungsbauförderung unterliegen einer kontinuierlichen Über-prüfung und Ergänzung. Mit der heute vom Senat beschlossenen Fortschreibung werden gleichermaßen eine Zwischenbilanz und ein Ausblick abgebildet.
Senatorin Dr. Herlind Gundelach: „Mit unserer Wohnungsbaustrategie sind wir auf dem richtigen Weg: in Hamburg werden wieder deutlich mehr Sozialwohnungen gebaut. Allein in 2010 konnten 1.551 neue Sozialwohnungen gefördert werden. Damit haben wir unsere ehrgeizige Programmzahl von 1.200 weit übertroffen.“ Der Vorstandsvorsitzende der Hamburgischen Wohnungsbaukreditanstalt, Ralf Sommer, betonte, dass die Wohnungsbauförderprogramme für 2011 weiter optimiert und weiterentwickelt worden seien. Er rief die Investoren dazu auf, sich sowohl bei anstehenden Modernisierungen als auch bei Neubauvorhaben vertrauensvoll an die WK zu wenden.
Die Kapazität zur Förderung des Wohnungsbaus wird auf dem Niveau von 1.200 Sozialwohnungen und 500 Eigentumsmaßnahmen pro Jahr fortgesetzt, wobei sowohl für Einpersonenwohnungen als auch für familiengerechte 3- und 4-Zimmerwohnungen gesorgt wird. Höhere Zahlen sind durch nachfrageabhängige Umschichtung innerhalb der Programmsegmente wie in 2010 auch weiterhin möglich. Die Büro-Umwandlungsprämie wird weiterhin gezahlt. Es gibt ein neues Förderprogramm zur Innenentwicklung, z.B. die Verdichtung in bestehenden Stadtquartieren durch An- und Umbauten, Nutzungsänderungen, Aufstockungen oder Baulückenschließungen. Der energetisch anspruchsvolle Neu-bau und die energetische Verbesserung bestehender Gebäude werden weiterhin unterstützt. Damit verbunden ist seit einem Jahr eine Qualitätskontrolle auch bei den Modernisierungen. Für benachteiligte Gruppen werden Integrationsleistungen ausgebaut, dem Auslaufen der Sozialbindungen wird mit geeigneten Maßnahmen begegnet. Im Jahr 2010 konnten bereits durch Neubau, Modernisierungsförderung und den Ankauf von Belegungsbindungen 2.634 neue Sozialbindungen gewonnen werden. Mit SAGA GWG wurde zudem ein Vertrag über die Wohnraumversorgung von 3.000 berechtigten Haushalten unabhängig von auslaufenden Sozialbindungen geschlossen.
Hinsichtlich der Flächenvorsorge für den Wohnungsbau gilt weiterhin der Grundsatz, dass die Innenentwicklung Priorität genießt und bei der Vergabe städtischer Grundstücke die Konzeptqualität eine entscheidende Rolle einnimmt.
Rückfragen:
Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, Pressestelle, Tel.: 040 / 428 40 2058
Helma.Krstanoski@bsu.hamburg.de
http://www.hamburg.de/bsu
Hamburgische Wohnungsbaukreditanstalt
Tel.: 040 / 248 46 310
m.kirchner@wk-hamburg.de; http://www.wk-hamburg.de

In der TAZ-Hamburg gibt es einen Artikel dazu.