Mit ‘Gentrifizierung’ getaggte Beiträge

Nach bisher unbestätigten Gerüchten ist es für Jendrusch finanziell sehr eng geworden.

Dies wäre auch eine Erklärung dafür, dass er die renomierte Buchhandlung Wohlers, durch völlig absurde Mietforderungen, aus St. Georg verdrängt. Er braucht offenbar dringend das Geld.

Nach den wiederholten Meldungen um eine Pleite von Klausmartin Kretschmer, wäre dass der zweite Hamburger Immobilienhändler, der vor dem finanziellen Aus steht.

Die St. Georger hatten lange und intensiv für den Erhalt ihrer geliebten Buchhandlung gekämpft.

Dabei hat die Buchhandlung Wohlers Symbolcharacter für die Entwicklung in St. Georg und auch anderen Stadtteilen. Alteingesessene Läden des täglichen Bedarf müssen schließen, weil sie die überzogenen Mietforderungen der Immobilienbesitzer nicht mehr erwirtschaften könnnen.

Besonders der Einwohnerverein St. Georg von 1987 e.V. setzt sich sehr für eine Erhaltung der Buchhandlung und einer lebenswerten Infrastruktur ein. Die Lebensqualität der Bewohner_innen des Stadtteils leidet sehr unter der Zupflasterung mit Modeläden und Gastronomie, denen die Läden des täglichen Bedarfs in der Regel weichen müssen. Zusätzlich sind die Mieten und die Eigentumsquote in St. Georg so stark gestiegen, dass in den letzten Jahren viele Alteingessesene St. Georger_innen weg ziehen mussten.

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Update: Hier könnt ihr euch die Sendung „Hamburger Presserunde“ auf HH1 ansehen. Thema ist „Langeweile an der Langen Reihe – verliert unsere Stadt ihr Gesicht?”
Gäste im Studio:
Peggy Parnass, Autorin
Michael Joho, Vors. Einwohnerverein
Thomas Hirschbiegel, Hamburger Morgenpost
Oliver Schirg, Hamburger Abendblatt

Trotz Dauerregens fanden sich am gestrigen Abend mehr als 500 Menschen vor der Buchhandlung Wohlers in der Langen Reihe in St. Georg ein und erteilten den Investoren, allen voran F. Jendrusch und Partner, eine Absage.
Sie wollen nicht mehr hinnehmen, dass ihr lebendiger Stadtteil durch die Gier der Investoren nach und nach zerstört wird und sein Gesicht sowie seine Lebensqualität verliert.
Die Buchhandlung Wohlers ist von einer Mieterhöhung von mehr als 200% betroffen. Die Miete für den Laden soll von 1400 Euro auf 4100 Euro steigen. Dies würde das Aus für die alteingesessene und beliebte Buchhandlung zum Ende diesen Jahres bedeuten. (mehr …)

Update: hier hatte sich ein Rechenfehler eingeschlichen. Die Mieterhöhung liegt nicht bei 300% sondern bei 200%. Die neue Miete beträgt zwar das dreifache der vorherigen Miete und die Buchhandlung kann das nicht zahlen. Trotzdem Entschuldigung für den Rechenfehler.
Artikel im Hamburger Abendblatt
Artikel in der Morgenpost

Hier kam gerade die Meldung an, dass wieder ein Stück St. Georg stirbt. Nun geht es dem eingesessenen Gewerbe an den Kragen. Nach dem Aus für das in ganz Hamburg und darüber hinaus bekannte und beliebte Kräuterhaus Meyer muß nun wohl die Buchhandlung Wohlers aus der „langen Reihe“ verschwinden, da sie die geforderte Mieterhöhung von 300% nicht mehr tragen kann. Immerhin gibt es sie in St. Georg seit 79 Jahren.
Die „Lange Reihe“ verkommt damit mehr und mehr zu einer gesichtslosen, kalten und unattraktiven Straße mit Schnellabfertigungsgastronomie und Luxusshopping. (mehr …)

Die Mieter_innen der „Mietergemeinschaft Kottbusser Tor“ in Berlin sind es leid von politischer Seite keinerlei Hilfe gegen die immer weiter steigenden und sie verdrängenden Mieten zu bekommen und machen deswegen ein Protestcamp. SIe haben ihr Straßenfest kurzerhand zeitlich und räumlich ausgedehnt.

Hier ist die Presserklärung zum Camp auf deutsch und türkisch.

Ein gutes Beispiel, dass in Hamburg und anderen Städten Schule machen könnte auch hier steigen die Mieten drastisch.
Die Politik stellt sich aber hauptsächlich schützend vor die Investoren, damit diese gesichert ihre Profite einfahren können. Die Interessen der Mieter_innen, aus den unteren und mittleren Einkommensschichten bleiben dabei auf der Strecke. Die können langfristig sehen wo sie bleiben.
Vielleicht werden ihnen aber auch Umsiedlungen in 150 km und mehr entferte Gebiete angeboten, wie es in London schon üblich ist.
Der menschenleere Ostteil Deutschlands würde sich z.B. gut dafür eignen. Damit würde endlich deutlich, dass „die Mauer“ 1989 lediglich in ihrer physischen Form verschwunden ist.
Wir hätten dann wieder zwei Wirtschaftszonen. Zwar nicht wie gehabt eine kapitalistische und eine sozialistische, sondern zwei kapitalistische. Im Westen die Besitzenden. Im Osten die Menschen ohne Besitz.

Der Baustaatsrat und Hobbysoziologe Michael Sachs spricht die unbequeme Wahrheit endlich aus. Die Kinder aus Mümmelmannsberg sind die Verantwortlichen für die Gentrifizierung.
Sie wollen alle in die Schanze, nach Ottensen oder St. Pauli ziehen, deswegen steigen dort die Mieten und die Menschen mit wenig Geld müssen gehen.
Die Lösung kann natürlich nur sein, dass die Mümmelmannsberger in ihrem Viertel „fixiert“ werden, solange zumindest, bis die Kinder der Ottensener_innen ins idyllisch grüne Mümmelmannsberg ziehen wollen, weil sie die Szene in Ottensen satt haben.
Dann kann der Verwertungskreislauf, nachdem auch das schon teure Billstedt als profitables Gebiet bei 10 Euro/qm plus mit noch gehörig Phantasie erkannt wurde, auch in Mümmelmannsberg endlich beginnen.
In Hamburg hat jede_r Zweite Anspruch auf einen §5 Schein. Dass aber auch Familien mit zwei mittleren Beamtengehältern nun schon dazu gehören, ist erschreckend.
Beruhigend daran ist, dass sich mittlere Beamte recht gut ins Stadtbild von Blankenese und Othmarschen einfügen werden wo auch Sozialwohnungen entstehen sollen.
Herren und Knechte rücken dann wieder näher zusammen, wie im 19. Jahrhundert, da wohnten die Dienstbot_innen gar unter dem gleichen Dach(boden) wie ihre Herr_innen. Die direkte Prügelstrafe für Dienstbot_innen wurde seitdem zum Glück aufgehoben. Dafür wurden eine Reihe wirksamer sozialrechtlicher Knüppel geschaffen, die dem Dienstvolk bei Bedarf übergezogen werden. Der/die Reiche von heute ist sich fürs Selbstprügeln zu fein, es wurde „outgesourct“, was der Gewissensreinheit der Wohlhabenden durchaus zuträglich ist.

In der Zeitschrift Analyse & Kritik ist heute ein Artikel erschienen, der die Gentrifizierung in einem neuen Zusammenhang beleuchtet.
Der Autor bringt den Wandel der Stadt mit dem Wanndel der Arbeit in Verbindung.
Besonders brilliant ist die Analyse im letzten Teil der Arbeit. Bisher haben viele das Argument hingenommen, dass Künstler und Studenten ein aktiver Bestandteil der Gentrifizierung sind und dadurch in einer Komplizenschaft zu den Immobilienspekulanten stehen.
Die neue Perspektive, die uns der Autor anbietet ist dagegen radikaler, im Sinne von tiefgehender und weiter gefasst.
Er bestätigt, dass die BewohnerInnen eines Viertel dessen Image, Charme, Lebensqualität usw. produzieren indem sie dort leben und arbeiten. Sie tun also etwas dafür, sie arbeiten dafür und schaffen etwas Neues. Man kann das sogar noch weiter fasssen als es der Autor tut. Selbst wenn jemand kein Café eröffnet, kein/e KünstlerIn ist, trägt sie/er doch zum Leben im Viertel auf ihre/seine Weise bei und schafft etwas und seien dies soziale Zusammenhänge durch Gespräche mit anderen Menschen/Nachbarn auf der Straße.
Weiterhin schreibt der Autor dass die Immobilienspekulanten dieses Produkt enteignen, indem sie nicht die Produzenten für ihr Produkt entlohnen. Sie kaufen und verkaufen oder vermieten Immobilien zu Preisen, in denen alle o.g. Faktoren mit berücksichtigt werden ohne dass sie selbst etwas zu deren Entstehen beigetragen haben.
Aber lest am besten den ganzen Text selbst.

Interessant ist jedoch, wie sich diese Werte nach der Verdrängung der ProduzentInnen entwickeln.
Es könnte sein, dass die VerdrängerInnen irgendwann in einem Viertel hocken das genau so leblos ist, wie das aus dem sie sich eigentlich freikaufen wollten.
Das was sie bezahlen verschwindet mit ihrem Erscheinen.
Ironisch, aber letztendlich gerecht.
Leider bedeutet es für die verdrängten ProduzentInnen oftmals viel Leid, aus ihrem sozialen Umfeld entfernt zu werden und das wollen wir nicht.